Kundalini Yoga

07. Januar 2019
Kundalini Yoga

Kundalini Yoga wird gern als „Yoga des Bewusstseins und der Erfahrung“ beschrieben. So weit, so vielversprechend. Wie darf man sich das aber konkret vorstellen – was wird praktiziert, wie geübt?

In aller Kürze: Geist und Körper, Herz und Seele werden gleichermaßen mit Aufmerksamkeit bedacht. Dies geschieht mit unterschiedlichen Elementen, die im Kundalini Yoga miteinander verwoben werden:

Dem fortwährend Gedanken-produzierendem Geist wird mit ATEM begegnet. Etwa mit einer einfachen Atemtechnik, bei der die durchschnittliche Atemfrequenz von fünfzehn Atemzügen pro Minute auf vier oder weniger reduziert wird, wodurch sich die Körperwahrnehmung erhöht und die Gedankenwelt klärt. Ein Zustand von mehr Da-sein, mehr Präsenz stellt sich ein. Einen rasenden, unkontrollierbaren Gedankenstrom beizubehalten, gelingt hier kaum noch. Oder aber der Atem wird auf ganz andere Weise eingesetzt: regelmäßig, schnell, den Nabel pumpend, um zu erhitzen, zu reinigen und zu entgiften, wie im Falle des Feueratems, der wichtigsten Atemform im Kundalini Yoga. Generell spielt der Atem, in welcher Atemsignatur auch immer, eine zentrale Rolle.

Gut aufgewärmt durch Atem und diverse Körperübungen, die vor allem auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule abzielen, beginnt die Praxis einer KRIYA – einer in sich geschlossenen Yoga-Übungsreihe an Haltungen, Bewegungsabläufen, Atemtechniken, Meditationen mit spezifischer Wirkung: Kriya for the Instinctual Self, Kriya for Creativity, Stress Set for Adrenals and Kidneys, Kriya for Disease Resistance, Kriya to add power and will to your actions…es gibt an die Tausend, das heißt, es ist für jedes konkrete persönliche Thema und jedes Erfahrungsniveau etwas dabei. Vor allem sind es unsere Hauptsysteme, Drüsen- und Nervensystem, die in so zentrale Angelegenheiten wir Schlaf, Verdauung und Fortpflanzung involviert sind, die durch Kriyas aktiviert und harmonisiert werden.

Dem Tun folgt im Kundalini Yoga immer das Sein: das Nachspüren nach jeder einzelnen Übung, das Integrieren dessen, was in Bewegung gebracht wurde. Das Regenieren von Körper und Seele braucht Zeit und Raum und darf in einer längeren Entspannungsphase am Ende der Kriya passieren.

Raum geht auch in der anschließenden MEDITATION auf – ein ebenso essentielles Element des Kundalini Yoga, das es in den unterschiedlichsten Varianten gibt: mit oder ohne MANTRA, MUDRA oder manchmal auch mit tänzerisch anmutenden Elementen (der sogenannten CELESTIAL COMMUNICATION): Meditation to remove negativity, Meditation for a calm mind and strong nerves, Meditation to remove fear of the future… Mantren öffnen und schließen auch jede Kundalini Yoga Einheit, werden gesungen, gesprochen, geflüstert oder auch nur gehört. Sie fokussieren den Geist wie es der Atem tut und führen durch Klang in die innere Stille. Genauso zentrierend wirken Mudras, Handpositionen, durch die Energiekreisläufe im Körper geschlossen oder bestimmte Areale im Gehirn stimuliert werden. Wie etwa durch das Pranam Mudra: mit den Händen aneinander gelegt, die Daumen am Brustbein, verbinden sich linke und rechte Hemisphäre, negativer und positiver Pol, und öffnen diesen neutralen Ort. In dir. Und da sitzt du nun, am Ende der Einheit, und bist dir ein Stückchen näher.

Mit „sat nam“ beendest du chantend deine Übungspraxis. „Ich bin“. Und darum geht es im Kundalini Yoga: wer du bist – und vor allem auch, wer du nicht bist. Sei also nicht überrascht, wenn du nach einigen Kundalini Yoga Einheiten immer mehr merkst, was du magst und nicht magst, was du brauchst oder nicht brauchst – in puncto Körper, Herz, Geist und Seele. Rechne auch damit, dass du es plötzlich wahrnimmst, wenn Energie in dir ins Fließen kommt oder sich Gedanken auch mal ohne Widerrede bewusst von dir steuern lassen, wodurch wahre Freiheit entsteht.

Nur all das musst du erfahren, um es zu erfahren. Oder, um es mit Yogi Bhajans Worten auszudrücken, dem zu verdanken ist, dass es diese Yogaform Anfang der 70er Jahre in den Westen geschafft hat: „It’s not the life that matters. It’s the courage you bring to it“. Trau dich also, probier es aus: in der offenen Kundalini Yoga Klasse hier im Yogakula, immer donnerstags 16-17.30. Zum Vorfühlen von zuhause aus hier noch drei weitere Möglichkeiten:

- „Die acht Gaben des Menschen“ von Gurmukh. Ein Buch über die Alltagstauglichkeit und -wirksamkeit von Kundalini Yoga

- „Rakhe Rakhanhar“ von White Sun oder „Suniai“ von Nirinjan Kaur. Zwei Mantren zum Tanzen, Singen, Hören, Entspannen.

- KundaLisYogaMeditation auf Facebook. Einige kurze Meditationsvideos zum Ausprobieren.

Auf bald. Sat nam.

KundaLis: jeden Donnerstag 16:00 at YogaKula

Elisabeth Mitterrutzner