6 Gründe Tagebuch zu führen

15. Mai 2020
6 Gründe Tagebuch zu führen

Seit ich ein kleines Mädchen war habe ich regelmäßig Gedanken, Beobachtungen und den Ablauf meines Tages zu Papier gebracht. Auch wenn es sich damals häufig „nur“ um den süßesten Jungen in der Klasse drehte, bin ich froh heute durch diese Seiten blättern zu können und über mich zu lachen. Mittlerweile habe ich Tagebücher von über 15 Jahren, die für mich einen unschätzbaren Wert haben. Wieso mich schreiben immer unterstützt hat erfahrt ihr hier:

1. Ehrlichkeit zu mir selbst

Obwohl ich grundsätzlich kein Problem damit habe alles mit Menschen die mir nahestehen zu teilen, war und ist es immer von großer Bedeutung, dass mein Tagebuch von niemandem anderen gelesen wird. Denn während ich schreibe will ich zu hundert Prozent ehrlich sein. Daher werden auch hin und wieder Gedanken zu Papier gebracht, die vielleicht nicht schön, aber dafür ehrlich sind. Doch ich will mich dafür vor keinem rechtfertigen müssen. Während des Schreibprozesses geht es darum Gedankengänge so pur wie Möglich auf Papier zu bringen. Daher bin ich komplett ehrlich, nicht nur über mein Umfeld, sondern auch zu mir selbst. Auf Papier kann ich Dinge zugeben, die ich sonst möglicherweise vor mir selbst leugne würde.

2. Identifikation

Während des Schreibens spiele ich Szenen vor meinem inneren Auge ab und gehe sie Stück für Stück durch. Im Zuge des Schreibens kam ich meist zu der Einsicht, dass eine schwierige Situation gar nicht so schlimm ist, wie ich zuvor dachte. Ich erzähle meine Geschichte so, als wäre sie von jemand anderem, um mehr Abstand dazu zu gewinnen. Das Hilft mir, mich weniger mit der Situation zu identifizieren.

3. Zeit mit mir selbst

Ich schreibe meist früh am Morgen oder vor dem schlafen gehen im Pyjama. Wenn ich Zeit habe auch hin und wieder tagsüber. Egal zu welcher Uhrzeit ich mich dem Tagebuch Schreiben widme, es ist immer ein Moment der nur allein mir gehört. Für mich war und ist es immer wichtig gewesen mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Nachdem ich schreibe fühle ich mich meist um einiges leichter, als wäre eine Last von meinen Schultern gefallen. Oder besser gesagt, als hätte ich ein klärendes Gespräch mit mir selbst gehabt.

4. Erinnerungen

Durch Tagebücher aus vergangenen Jahren zu blättern macht mir immer große Freude. Es ist als ob ich mein altes Ich darin treffen würde. Mit jedem Jahr sehe ich wie sich meine Handschrift verändert und sich Denkprozesse weiterentwickelt haben. Wenn ich Absätze lese, die meist mit den Daten des jeweiligen Tages versehen sind, bringt es mich zurück zu längst vergangenen Momenten. Beispielsweise ist es so schön zu lesen, wenn ich jemanden zum ersten Mal treffe, über sie oder ihn schreibe, als jemanden den ich kaum kenne und mir dann bewusst werde, dass diese Person noch immer in meinem Leben ist und wie nah wir uns heute sind. Es ist so schön diese Weiterentwicklung wahrzunehmen.

5. Entwicklung

Tagebücher begleiten mich nicht nur in die Vergangenheit, sondern lassen mich auch in die Zukunft blicken. “We can only understand the future, if we understand the past” (Wir können die Zukunft nur verstehen, wenn wir die Vergangenheit begreifen). Nur wenn ich mich selbst verstehe, meine Fehler und Unsicherheiten begreife, kann ich aktiv an ihnen arbeiten und mich so weiterentwickeln. Schreiben hilft mir meine Fehler zu verstehen, ohne mich dafür zu schämen, denn in meinem Tagebuch bin nur ich mit mir selbst.

6. Gedächtnistraining

Mir geht es manchmal so, als würden die Tage in doppelter Geschwindigkeit an mir vorbei ziehen. Kaum bin ich aus dem Bett gestiegen, erledige ich ein paar Sachen und schon ist es wieder Abend. Alles was wir tun, wird in unserem Gehirn gespeichert, doch nicht an alles erinnern wir uns. Das liegt daran, dass einige Informationen nur für kurze Zeit Gast in unserem Kopf sind, nämlich im Kurzzeitgedächtnis. Im Gegensatz dazu, steht das Langzeitgedächtnis als ein relativ zeitüberdauernder und unbegrenzter Speicher.

Gedanken und Erinnerungen aufzuschreiben, trainiert das Gehirn. Ein und denselben Moment erneut durchzuspielen, um ihm auf Papier zu bringen, verfestigt die Erinnerung und speichert ihn im Langzeitgedächtnis ab.


Ich hoffe meine Erfahrungen ermutigen euch darin ein Tagebuch anzufangen oder ein vergessenes weiterzuführen. Es ist definitiv nie zu spät mit dem Schreiben zu beginnen.